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Das Schloss Faber-Castell in Stein
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Auffälliges Symbol des neuen gräflichen Faber-Castell’schen Lebensstils war die Errichtung eines neuen herrschaftlichen Wohnsitzes. Angrenzend an das alte Schloss - hier wohnte Lothar von Fabers Familie - entstand 1903 bis 1906 ein weitaus größeres, neues Schloss, das rasch zum Wahrzeichen von Stein wurde. Mit dem mächtigen Glockenturm machte es weithin auf die Bedeutung der gräflichen Industriellenfamilie aufmerksam.
Besonders geschmackvoll waren die Innenräume gestaltet. Ganz im Stilempfinden der Zeit, dem ausgehenden Historismus, finden sich die verschiedensten Stilrichtungen: Neorenaissance, Gotik, ein wenig Barock und „Louis-Seize", Klassizismus und vor allem Jugendstil. Das elegante Haupttreppenhaus, mit weißem und farbigem Marmor sowie Jugendstil-Mosaiken, beeindruckt mit lichtdurchfluteter Höhe und großzügiger Anlage. Drei Räume wurden von einem der damals bekanntesten deutschen Jugendstil-Architekten entworfen, Bruno Paul.
Das Leben im Schloss war bestimmt vom Rhythmus des Jahres. Im Herbst und Winter gab es immer wieder Empfänge, Festlichkeiten und Bälle in den großen Sälen des Obergeschosses. Den Sommer verbrachte die Familie im Jagdsitz Dürrenhembach, südöstlich von Nürnberg.
Das wuchtige Arbeitszimmer von Graf Alexander im Parterre des Schlosses mit Blick über den Garten auf die Fabrikanlage, war gewissermaßen die Unternehmenszentrale. Hier empfing er seine Direktoren und hier fielen die Entscheidungen für das weltweite Unternehmensgeflecht.
Heutige Funktion
Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, am 1. Mai 1939, zog die gräfliche Familie wie üblich in ihren Sommersitz außerhalb Nürnbergs. Wenig später wurde das Schloss von der Deutschen Wehrmacht beschlagnahmt. Ohne größere Schäden überstand es die Kriegsjahre und wurde ab 1945 zunächst Quartier für Alliierte Truppen. Danach, während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, diente es als Unterkunft für internationale Anwälte und Prozeßberichterstatter, zu denen auch Ernest Hemingway und John Steinbeck zählten. Erst 1953 verließen die letzten US-Besatzer das Schloss, das bis zuletzt als Pressecamp diente.
Die gräfliche Familie zog nicht wieder ein. Über 30 Jahre verbrachte das einzigartige, imposante Gebäude in einer Art 'Dornröschenschlaf'. Bis Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell das Stammschloss seiner Vorfahren nach einer umfassenden Inventarisierung "wiedererweckte" und es anlässlich des 225-jährigen Firmenjubiläums im Jahre 1986 erstmals der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machte. Seither wird es immer wieder für Ausstellungen und zunehmend auch für unternehmensbezogene Veranstaltungen verwendet.
Im Dachgeschoss des Schlosses finden heute die Seminare der Faber-Castell Akademie statt.
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